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Und täglich grüßt das Boulevard….

dort gehört sie hin

Gestern erschien im Standard ein Interview mit dem ehemaligen KRONE-Karikaturisten Markus Szyszkowitz. Dieser berichtet aus dem Inneren des Systems und veranschaulicht dabei sehr gut, wie undemokratisch dieses Boulevardblatt nach wie vor vom Autokraten Dichand geführt wird.

Erst kürzlich war in einem noch wesentlich erschüttenderen Interview mit dem Kommunikationsverantwortlichen der SPÖ Josef Kalina zu lesen, dass ohne diese Zeitung politisch in Österreich eigentlich nichts möglich ist. Auf die Frage, ob man gegen die Krone überhaupt Wahlen gewinnen könne meinte dieser ganz pragmatisch: „Große handlungsfähige Mehrheiten zu erreichen ist sicherlich schwierig.“

Dieser Satz ist niederschmetternd, aber auch teilweise wahr und das nicht zuletzt deshalb, weil Personen wie Kalina selbst und viele Andere dies möglich gemacht haben, indem Sie die Reichweite der Krone als nahezu einzigen Indikator für die Erreichbarkeit der Wahlbevölkerung genommen haben. Und jede Lobpreisung für diese „unabhängige Zeitung“ (Kalina) bestärkt die Rolle der Krone als meinungsführende Macht in diesem Lande.

Die vollkommene Boulevardisierung der österreichischen Politik also, die mit Faymann und seiner leserbrieflichen Anbiederung kurz vor den Neuwahlen („Sehr geehrter Herr Herausgeber…“) so ziemlich das letzte an zu brechenden Tabus zerfetzt hat. Der Wahlerfolg der One Man Show Hans Peter Martin, dessen Programm ein Buch („Die Europafalle“) sowie die Rolle des Hechts im Karpfenteich des EU-Parlaments ist, war zweifelsohne ebenso ein Erfolg und Ausdruck der Macht dieser Zeitung.

Was mit unliebsamen Persönlichkeiten passiert, weiß man auch spätestens seit den gelungenen „Putschversuchen“ der KRONE gegenüber Scholten, Busek und Einem. Ein kurzer Auszug des Interviews mit Szyszkowitz verdeutlicht dies abermals: „Per ‚Drohbrief’ wurde ich dann vor die Wahl gestellt, diese Karikaturen sofort einzustellen, oder mit einem Ende des Superrudi-Strips die Existenzgrundlage (meiner 5-köpfigen Familie) zu verlieren.“ Hintergrund war eine Karikatur über Faymann, die von Dichand nicht geduldet wurde, weil sie sich dem „Kuschelkurs“ gegenüber der Faymann-SPÖ welcher damals Blattlinie war, seiner Meinung nach widersetzt hat. Der letzte, in der KRONE jedoch nicht veröffentlichte Cartoon findet sich hier.

Heute sind angeblich die Prölls bei Dichand hoch im Kurs – und es lässt sich nur darüber mutmaßen, was die graue Eminenz diesmal dazu bewogen hat den Kurs zu ändern. Möglicherweise mundet ihm der Wachauer Wein mittlerweile besser als dessen Wiener Pendant – keiner weiß es, nur die Gründe dafür dürften ähnlich banal sein, wie etwa die Spekulation darüber, dass Faymann möglicherweise wegen Inseraten im Konkurrenzblatt Österreich bei Dichand in Ungnade gefallen sei.

„Im Vorhof der Macht“ nannte Dichand sein letztes Buch und man fragt sich mittlerweile, ob der Vorhof in Zeiten einer äußerst farblosen Regierung, nicht bereits selbst den Ton angibt.

Es ist vor allem die Intensität, mit welcher gegenwärtig ins politische Feld eingegriffen wird, welche demokratiepolitisch dermaßen unannehmbar geworden ist, dass ich die Rolle der Krone in der österreichischen Gesellschaft auch im Blog zu einem Thema machen möchte. In welcher Form, wird man sehen.

Quellen:

http://derstandard.at/fs/1245820197414/DER-STANDARD-Interview-Die-lesen-gar-keine-andere-Zeitung

http://derstandard.at/1245820456808/Schien-mir-ziemlich-antidemokratisch

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