Archiv

Archive for the ‘Musik’ Category

Michael Jackson: Ein persönlicher Nachruf

Juni 27, 2009 1 Kommentar

Es muss ein Sommer Ende der 80er Jahre gewesen sein. Drei junge Buben, alle um die zehn Jahre alt, machen sich auf zu einem abgelegenen Plätzchen, um ungestört zu sein. Einer von ihnen hat diesmal eine spezielle Ausrüstung bei sich: eine weiße Musikkassette mit einem roten Titel, einen Kassettenrekorder und eine Packung riesengroßer Batterien, zwei Sets, die vermutlich über die Dauer der Kassette Strom liefern würden.

Der Junge mit dem Kassettenrekorder war ich, die Kassette war meine allererste: BAD von Michael Jackson. Das einsame Plätzchen hatten wir uns gesucht, um uns auf unsere erste Jugenddisko vorzubereiten. Wir spielten Michael Jackson und schauten uns gegenseitig beim Tanzen zu, gaben uns Tipps, mit dem Ziel die Mädchen zu beeindrucken. Dieses Ziel war uns die Überwindung der Scham wert. Mit Michael Jackson haben wir die Musik entdeckt und haben den Schritt in die Disko gewagt.

Und er hat mich auch weiter begleitet. Beginnend als Kind mit Wurlitzer im ORF hin zur Teenagerzeit mit MTV. Er war immer gegenwärtig und ich mochte seine Musik fast immer. Dennoch gab es eine Zeit, in der seine Platten im Schrank verschwanden und er kaum in meinen Abspielgeräten rotierte. Man musste sich schließlich vom musikalischen Mainstream abgrenzen. Doch dann kam die Wiederentdeckung.

Als ich begann, mich mit Popkultur- und Geschichte zu befassen, bin ich über Motown wieder zu Michael gekommen. Die Dialektik war gewissermaßen bei der Negation der Negation angelangt und erfolgreich war nicht mehr böse. Die Musik und ihre Qualität stand im Vordergrund und entwickelte sich für mich zu einem Lebenselexir, aus dem ich immer wieder Kraft schöpfen konnte. Auch Michael durfte wieder auf den Plattenteller.

Vermutlich landen die meisten Musikverrückten früher oder später, ob auf einer Privatparty oder öffentlich, vor einem Publikum. So geschah es auch bei mir. Das erste mal, als ich vor einem größeren Publikum auflegen durfte, werde ich nie vergessen. Zu später Stunde bei einem ausgelassenen Fest gibt es kaum etwas, das lohnenswerter wäre, als 80er Hits zu spielen. Das Publikum ließ sich mit Depeche Mode, Madonna, Soft Cell und den Pet Shop Boys aufheizen. Als dann Michael Jackson an der Reihe war, tanzte der ganze Saal. Kein Genussmittel hat mich je in einen größeren Rausch versetzen können, als diese tanzende Menschenmasse. Dafür danke ich Michael Jackson! Dafür und für seine bahnbrechende Musik, die er uns  (gemeinsam mit Quincy Jones) geschenkt hat!

Es ist merkwürdig, dass er tot ist, denn er war immer gegenwärtig in meinem Leben. Ich hörte seine Musik, las die Berichte in den Zeitungen und Musikzeitschriften und sah die Berichte über ihn im Fernsehen. Es ist keine Übertreibung, zu sagen, dass er mich mein ganzes bisheriges Leben lang begleitet hat. Bis jetzt.

Advertisements
Kategorien:Musik Schlagwörter: , , ,
%d Bloggern gefällt das: